Kochshow „Bienen Essen“- Sind wir bald entomovegan? Sind Insekten unsere Nahrung von morgen? Samstag, 1. Juli 2017  19:00

Cafe Huber Wentzingerstr 46 79106 Freiburg i.B.

Als Auftakt der Agrikulturwochen 2017 wird Stefanie Koch, Freiburger Imkerin und Mitgründerin der BienenCoop in einer informativen Kochshow das japanische Gericht Haschinoko, zu deutsch „Bienen Kinder“ zubereiten.

Es wird darüber gesprochen warum Larven ein äußerst gesundes und nahrhaftes Nahrungsmittel sind und was das Essen von Larven mit dem Klima und der Welt zu tun hat.

Drohnenbrut – die männlichen Larven der Honigbiene – ist Andernorts auf dieser Welt eine hochgeschätzte Delikatesse. Einst standen auch bei uns Insekten auf dem Speiseplan. Bis in das 19. Jahrhundert hinein wurden hier kandierte Maikäfer oder Maikäfersuppe nicht nur gegessen, sondern als köstlich angepriesen. Insekten als Nahrungsmittel sind bei uns heute quasi ausgestorben, wenn gleich ein Insekt eine tragende, vielleicht sogar die Hauptrolle in der Produktion unserer Lebensmittel spielt – die Honigbiene. Noch viel wichtiger als die Produktion von Honig, ist ihre Bestäubungsleistung. Ohne diese würden die Erträge bestimmter Früchte um bis zu 80% zurückgehen. Nichts desto Trotz würde uns im Traum nicht einfallen sie zu essen. Aus Sympathie? Aus Ekel? Ein überaus polarisierendes Thema. Dennoch naheliegend. Denn Insekten werden auch bei uns zunehmend als Fleischersatz angepriesen. Aber warum von weit her Insekten zum Verzehr importieren wenn sie hier direkt zur Verfügung stehen und mehr noch, als Abfallprodukt der Imkerei, in konventionellen, wie auch in ökologischen Imkereien, entsorgt werden.

Dieses Vorgehen dient dem Erhalt des Bienenvolkes: Die sich in den Waben befindenden Larven können von einer schädlichen Milbe, der Varroa – Milbe befallen sein, durch die das Volk ohne entsprechende Maßnahmen sterben würde. Diese Milbe legt ihre Eier bevorzugt in die männlichen Waben. Ein Entwicklungszyklus einer Generation männlicher Bienen Larven kann den Bestand der Milbe in einem Bienenvolk bis zu verfünffachen. Der ursprüngliche Wirt des Parasiten, die asiatische Honigbiene, nutzt die Drohnenbrut als Falle. Die Imker*innen ahmen dies nach und entfernen die Drohnenbrut um den Bestand der Milbe zu reduzieren. Diese Maßnahme ist also tatsächlich existenziell für das Überleben eines Bienenvolkes. Die Drohnebrut wird in den meisten Fällen entsorgt. Dazu gibt es in Deutschland keine genaueren Zahlen, es muss sich aber um mehrere Tonnen pro Jahr handeln. Das ist sehr verschwenderisch, denn die Insekten sind überaus nahrhaft und beinhalten nebst Proteinen seltene Stoffe wie Vitamine, Eisen, Zink und Iod. Die Idee, diese „Abfallprodukte“ weiterzuverwerten ist entsprechend sinnvoll und für viele Imker*innen eine große Chance ein sonst sehr unschönes Geschäft in einen Wert zu überführen. Aber gibt es dafür einen Markt? Grundsätzlich assoziieren wir mit Insekten Ungeziefer und Krankheitsüberträger, weshalb es ein Tabu ist sie zu essen. Aber das Gegenteil ist der Fall, zumindest am Beispiel der Honigbiene. Die Brut der Bienen ist von Hause aus ein Produkt höchster Qualität, jede Larve wird durch ihre Geschwister genaustens inspiziert und jede fragwürdig entwickelte entsorgt.

Darüber hinaus kann uns der Verzehr von Bienen helfen unseren ökologischen Fußabdruck deutlich zu verringern. Der hohe Fleischkonsum frisst unsere Ressourcen – Land, Wälder, Energie – und ist klimaschädlich. „Weiter wie bisher ist keine Option.“ lautet ein Satz aus dem Weltagrarbericht von 2008. Trotzdem gibt es Prognosen der FAO die eine Verdoppelung des weltweiten Fleischkonsums bis zum Jahr 2050 im Vergleich zum Jahre 2000 vermuten. Schon heute nimmt die Produktion tierischer Produkte schätzungsweise bis zu 70% unserer landwirtschaftlichen Flächen in Anspruch. Die Produktion einer tierischen Kalorie verbraucht bis zu 7 pflanzliche Kalorien… Man muss kein Mathematiker sein um zu begreifen, dass die Welt mit ihren Ressourcen schon heute am Ende ist.

Die zwingende Schlussfolgerung: Wir benötigen eine alternative Esskultur. Insekten erzeugen pro Kilogramm Futter zwölf mal so viel Nahrung wie Rinder und fünf mal so viel wie Schweine. Insekten können ein Fleischersatz sein. Das hat auch die EU erkannt und arbeitet derzeit an einer EU weiten Richtlinie, die die Rechte der sechsbeinigen Tiere und die Hygienestandards ihrer Produktion regelt.