Initiative für einen Ernährungsrat Freiburg i.B.

Was kommt uns auf den Teller? Gemeinsam Ernährung gestalten

Am Mittwoch, 25. April 2018 um 19 Uhr gibt es im Vorderhaus, Habsburgerstraße 9, Freiburg eine Veranstaltung, die sich mit regionaler und nachhaltiger Ernährung und Landwirtschaft beschäftigt. Veranstalter sind die Forschungsgesellschaft Agronauten und AgriKultur e.V.. Olivier de Schutter, der Leiter des International Panel of Experts on Sustainable Food Systems (IPES) und ehemalige Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für das Recht auf Nahrung, wird als Spezialgast einen Vortrag halten. Darin wird er aufzeigen was bei unserem heutigen globalisierten Ernährungssystem falsch läuft und was anders gemacht werden muss. Als weitere Vortragende wird Anna Wissmann vom Ernährungsrat Köln und Netzwerk der Ernährungsräte in Deutschland erklären in wieweit ein Ernährungsrat ein Instrument für eine lokalere und bessere Versorgung sein kann. Die Initiative für einen Ernährungsrat Freiburg wird präsentieren, wie hier Strukturen für eine stärkere Regionalversorgung mit nachhaltig hergestellten Lebensmitteln geschaffen werden sollen. Moderiert wird der Abend von Philipp Stierand, der mit seinem Buch und Blog Speiseräume Maßstäbe zum Thema Stadt/Ernährung gesetzt hat. Der Eintritt ist frei. Ein regional-ökologisches Buffet und musikalische Live-Akzente runden den Abend ab.

Es gibt viele Gründe um gemeinsam an einer qualitativen und quantitativen Verbesserung der Nahversorgung zu arbeiten. Das zeigt nicht zuletzt der geringe Selbstversorgungsgrad von Freiburg, den die FibL-Studie im Auftrag der Stadt belegte (2016, siehe http://www.agronauten.net/wie-regional-ernaehrt-sich-freiburg/): Die Region versorgt die Bürgerinnen und Bürger der Stadt aktuell nur zu ca 20 Prozent – obwohl die klimatischen Bedingungen von Freiburg in Deutschland kaum besser sein könnten.

Presseerklaerung Ernaehrungsrat Freiburg.

Mitmachen!



Was ist ein Ernährungsrat?

Ein Ernährungsrat (engl.: Food Policy Council) ist ein Ansatz für eine Gestaltung des Ernährungssystems auf lokaler Ebene. Es ist als innovatives politisches Steuerungsinstrument für ein umweltverträglicheres und sozialgerechteres Ernährungssystem weltweit anerkannt. Idealerweise dient es als neutrale Plattform für alle relevanten Akteure entlang der Wertschöpfungskette der lokalen Versorgungsstrukturen und als sektor-übergreifende Koordination. Dabei können Handlungsziele und entsprechende Umsetzungsstrategien entwickelt werden.

Weitere Informationen dazu hier:

EU3F

Die öffentliche Veranstaltung und ein geschlossener Workshop in Freiburg sind als “Freiburg Local Lab” Teil eines größeren Prozesses, des EU3F (http://www.eu3f.com/).

“Local Labs” finden in Mailand, Turin, Montpellier und Freiburg statt und die Ergebnisse werden in die Entwicklung von Vorschlägen für die Neuausrichtung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) hin zu einer erweiterten gemeinsamen Ernährungspolitik (“common food policy” statt “common agricultural policy”) einfließen. Zudem dienen die “Local Labs” der Stärkung von lokalen Prozessen an ausgewählten Standorten. Ergänzt werden diese durch “Policy Labs”, die im europäischen Parlament und anderen Orten mit Entscheidungsträgern durchgeführt werden sowie einem breitangelegten Partizipationsprozess zur Generierung von
konkreten Vorschlägen für die neue GAP. Hier – auf englisch – Fragen und Antworten warum Europa eine neue Ernährungspolitik braucht: Q&A. Why does the EU need a Common Food Policy

Weitere Informationen zu Olivier de Schutter und IPES-Food: Seit 2015 bringt das internationale Expertengremium für nachhaltige Lebensmittelsysteme (IPES-Food) Experten aus verschiedenen Disziplinen und verschiedenen Arten von Wissen zusammen, um die politische Debatte über die Reform der Lebensmittelsysteme in der ganzen Welt zu unterstützen. Das Gremium wird sich mit Themen wie Gesundheit und Ernährung, Unsicherheit im ländlichen Raum und Umweltzerstörung durch Landwirtschaft auseinandersetzen und Zusammenhänge, Machtungleichgewichte, politische Blockaden und mögliche Hebel für Veränderungen auf der Systemebene ans Licht bringen. Um dies zu erreichen, wird IPES-Food systematisch mit Akteuren und Ideen außerhalb der traditionellen Grenzen der wissenschaftlichen Gemeinschaft interagieren.

Olivier De Schutter (* 20. Juli 1968) ist ein belgischer Jurist, der auf wirtschaftliche und soziale Rechte spezialisiert ist. Er war von 2008 bis 2014 Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für das Recht auf Nahrung. Er ist Professor für internationales Menschenrecht, Europäisches Recht und Rechtstheorie. Als Sonderberichterstatter veröffentlichte er offizielle Berichte über Agrarökologie, Ernährung, Vertragsanbau, Fischerei, Gender und andere Schlüsselfragen im Zusammenhang mit der Sicherung des Rechts auf Nahrung und plädierte generell für die Notwendigkeit, Kleinbauern in den Mittelpunkt der Strategien zur Ernährungssicherheit zu stellen.
 

Interessante Veröffentlichungen gibt es hier: http://www.ipes-food.org/publications