Gemeinwohl vor Marktlogik
Aula
Gemeinwohlleistungen für Landwirte honorieren
mit Lars Kundt (Regionalwert AG Freiburg-Südbaden), Ralf Mützel (Stadt Neumarkt, per Videobeitrag) und Fide Martin (Leistungsrechnung). Moderation Peter Volz (Agronauten)
In diesem spannenden Format wird das Thema der Honorierung von Gemeinwohlleistung für Landwirte diskutiert.
Förderung von Nachhaltigkeitsstrategien und wirtschaftlicher Resilienz durch Gemeinwohlleistungsrechnung in der Landwirtschaft, die Bodenfruchtbarkeit steigern, die Grundwasserreinheit und die Grundwasserneubildung unterstützen, Insekten schützen, Biodiversität fördern, junge Menschen ausbilden und Versorgungssicherheit herstellen - das alles sind Leistungen, die Landwirtinnen und Landwirte für die Gesellschaft erbringen, ohne dass diese vergütet werden.
Die Methodik der Regionalwert-Leistungsrechnung ermöglicht es, diese Gemeinwohlleistungen zu berechnen und zu honorieren und bietet einen echten praktikablen Ansatz, um einen Paradigmenwechsel Richtung Nachhaltigkeit und Resilienz zu ermöglichen.
Basis sind die rund 400 Kennzahlen, die in einem sorgfältigen Prozess gemeinsam mit Landwirtinnen und Landwirten, Wissenschaftlern und weiteren Stakeholdern in Workshops und Forschungsprojekten erarbeitet wurden. Im Ergebnis wird angezeigt, welchen monetären Wert die Leistungen haben und welcher Nachhaltigkeitsgrad in den verschiedenen Dimensionen und Bereichen erreicht wird.
Dies ist besonders für Kommunen, Unternehmen und Stiftungen interessant, um die Betriebe in ihrer Region zu stärken, die sie nachhaltiger machen. Neumarkt in der Oberpfalz ist die erste Kommune in Deutschland, die auf der Basis der Leistungsrechnung ein Vergütungsprogramm von 100.000€ für die lokale Landwirtschaft auflegt. Dieser wegweisende Ansatz hat bei anderen Kommunen Interesse geweckt. Auch die Bodenallianz der Stadt Pfaffenhofen greift auf das Instrument zurück, um Zahlungen aus dem städtischen Fonds zur Kompensation von CO₂-Emissionen an Landwirte vor Ort auszuschütten. Die Bio-Brauerei Neumarkter Lammsbräu verwendet ein Prozent des Umsatzes, rund 300.000 Euro, für ein Vergütungsmodell an ihre landwirtschaftlichen Lieferanten, das sich am Nachhaltigkeitsgrad der Leistungsrechnung orientiert. Im Allgäu sammelt der Regenfond private Gelder zur Honorierung landwirtschaftlicher Leistungen für die Gesellschaft ein, ebenfalls mit der Leistungsrechnung. Das Konzept ist also vielseitig.
