Bauernproteste verstehen – Alternativen aufzeigen. Mit Prof. Onno Poppinga und Gästen

Wie kaum ein anderer hat der 80-jährige Onno Poppinga (Bauer und emeritierter Prof Witzenhausen) Erfahrungen in der landwirtschaftlichen Praxis und Landwirtschaftspolitik. Er wird die Bauernproteste reflektieren und in eine historische Perspektive setzen. Woher kommt die Wut? Darüberhinaus wird er aber auch über Alternativen sprechen, um das bestehende System zu ändern. Im Anschluss laden wir weitere Gäste ein, über den Vortrag zu diskutieren.

Veranstaltung am Sonntag 21 Juli 2024, Details folgen

Der große Blick – Geschichte und Zukunft der Landwirtschaft und Ernährung

Matthieu Calame und Claudia Neubauer von der “Fondation pour le progres de l’homme” aus der Schweiz gehen mit uns einen großen Schritt zurück, um zu verstehen, wie wir weiter nach vorne können. Sie erläutern, wie wir uns geschichtlich versorgt haben auf der Welt und wie sich das bis zu unserer heutigen krisenbehaften Situation entwickelt hat, bei der mehr und mehr planetare Grenzen überschritten werden. Basierend auf dieser Analyse können wir mit Matthieu und Claudia nach vorne schauen, um zu verstehen, wie ein wirklich nachhaltige Versorgung aussehen kann.

Panel “Versorgung jenseits des Supermarktes”

Supermärkte sind überall und bieten eine große Menge an Waren an, selbst nur für Bio Produkte gibt es Supermärkte – was ist das Problem? Jenseits der Rhetorik der Angebotsheftchen ist klar: Die Handelsmacht von 4 Konzernen, die 75% der Bevölkerung versorgen, ist so stark, dass sie im Ernährungssystem negative Auswirkungen haben: Zum Beispiel für viele Bäuerinnen und Bauern, die abhängig von der Preispolitik der Konzerne sind oder keine Chance auf Marktzugang haben. Die Skalenökonomie von Supermärkten prägt die Größe, Vielfalt und Betriebsmodelle in der Landwirtschaft, es prägt Beschäftigungsverhältnisse und Landschaft, hat einen großen Einfluss auf die Essgewohnheiten (Convenience) von Verbraucherinnen und Verbrauchern und nicht zuletzt investieren Lebensmittelkonzerne auch in Landkauf. Der Lebensmittel-Einzelhandel unabhängig von Supermarktketten ist eine Nische in Deutschland. Aber es gibt Alternativen, in denen das Konzept “Supermarkt” neu und fair gedacht wird!

Mit SuperCoop (Berlin), Coopalim (Strasbourg) und weiteren diskutieren wir Alternativen und Wege aus dem unfairen System “Discounter und Supermärkte”

Sozialversicherung für Ernährung

So etwas würde alles auf den Kopf stellen! Jede(r) Erwerbstätige und Arbeitgeber gibt je 1,8% des Gehalts in die Ernährungskasse. Davon wird der monatliche Einkauf für 80€ (Kinder 40€) in ausgewählten regio-ökologischen Läden und Direktvermartungspunkten finanziert. Gewinner sind die Bäuerinnen und Bauern, die entsprechend vermarkten und alle EsserInnen, die unabhängig vom Einkommen an gute Lebensmittel kommen. Es würde ein Versorgungssystem jenseits vom Supermarkt stärken.

Aber es ist schon Realität – zumindest in Modellregionen in Frankreich und bald in der Schweiz!

Beim AgriKultur Festival wird es endlich auch in Deutschland thematisiert. Mit Akteuren aus Strasbourg (Lucie Dubois), Basel (Lena Bloemertz), weitere Städte kommen ggf dazu.

Die Veranstaltung findet am Sa 20 Juli 11h in der Aula der Schule statt.

Moderation: Peter Volz und Stefanie Koch

Panel Subsistenz

Bei diesem Panel wird das Thema Subsistenz behandelt.

Was tun?  

Die Subsistenzperspektive von Veronika Bennholdt-Thomsen:

“Wir brauchen einen Kulturwandel. Und zwar von allen und von jedem Einzelnen, von Geringverdienerinnen, genauso wie von Bankern, von Bäuerinnen und Industriearbeitern. Wir müssen uns im Geiste vom Rechnen verabschieden, nämlich von der Geldfixierung. Die Suche nach dem billigen Angebot ist der Stützpfeiler des Konsumismus, und der nämlich ist der Zwilling der Wachstumsmanie, mit ihrer Suche nach dem größtmöglichen Umsatz und der höheren Profitrate. 

Wie es anders gehen kann, ist nicht allein eine Frage der Politik, oder des Wirtschaftssystems, oder der Technik, sondern eben eine Kulturfrage. Wie lernen wir als erstes an die echten Wachstumsprozesse zu denken, an die wirkliche Materie, an die echte, lebendige Zukunft, und vor allem an unsere Enkelkinder? Indem wir uns an das halten, was notwendig ist zum guten Leben! Das nennen wir die Subsistenzperspektive. 

Auf dem Agrikulturfestival bekommen wir einen Eindruck davon, was die Orientierung auf die Subsistenz bedeutet.”

“Subsistenz ist die Summe all dessen, was der Mensch notwendig zum Leben braucht: Essen, Trinken, Schutz gegen Kälte und Hitze, Fürsorge und Geselligkeit. Wenn die Subsistenz gesichert ist, kann das Leben weitergehen.” Bennholdt-Thomsen/Mies 1997

Wir möchten das Thema behandeln, weil wir denken, dass Subsistenz kein Konzept der Vergangenheit ist und nur für Länder des globalen Südens passt, sondern heute aktueller den je ist! Es geht dabei nicht nur um Selbstversorgung – sondern Subsistenz ist eine Art des Lebens !

Wie kaum jemand anders hat Veronika Bennholdt-Thomsen zu diesem Thema gearbeitet, geforscht und geschrieben. Wir freuen uns sehr, dass sie beim AgriKultur Festival 2024 einen Vortrag zum Einstieg in das Thema geben wird! Im Anschluss wird es weitere Berichte und eine Diskussion mit drei erlesenen Gästen geben!

Kaspanaze Simma ist Bergbauer aus dem Bregenzer Wald in Österreich. Er lebt Subsistenz und ist über seine Arbeit mit der österreichischen Bergbauernvereinigung und als grüner Lantagsabgeordneter in den 1980er Jahren eine bekannte Stimme in der Alpenrepublik und bei allen Subsistenzinteressierten im deutschsprachigen Raum.

Martina Widmer arbeitet und lebt in Longo maï (provenzalisch für „Es möge lange dauern“) in Südfrankreich. Dies ist ein Netz ländlicher Arbeits- und Lebensgemeinschaften, das seit 1973 besteht. Diese wirtschaftlich-soziale Gemeinschaft, in der es keine formellen Strukturen und für keine Arbeit einen Lohn gibt, besteht bereits in dritter Generation. Es waren 68er, die aufs Land zogen um verlassene Höfe wieder zu beleben und zu bewirtschaften. Heute bestehen an elf europäischen Standorten in sechs Ländern Bauernhöfe. Rund 200 Personen leben in den Kooperativen, die antikapitalistisch auf der Basis von Selbstverwaltungbetrieben werden.

Siegfried Jäckle vom Forum Pro Schwarzwaldbauern beschäftigt sich seit Jahren mit diesem Thema. Wir freuen uns sehr, dass er durch das Programm führen wird.